George Gershwin

George Gershwin, 1898 als Sohn russischer Einwanderer in Brooklyn geboren, wächst in einem armen jüdischen Viertel mit viel Straßensport und wenig Musik auf. 1910 schafft man für den älteren Bruder Ira, den späteren Textdichter und Manager des erfolgreichen Gershwin-Teams, ein Klavier an. 1912 bekommt George Unterricht bei Charles Hambitzer, der ihn mit Chopin, Liszt und Debussy bekannt macht.

Ab 1914 arbeitet er bei einem kleinen Verleger als Pianist und „Songplugger“, schreibt schon eigene Songs für den Broadway und erreicht 1919 mit dem Musical „Swanee“ den ersten großen Erfolg. Durch das neue Medium, die Schallplatte, verbreiten sich seine Songs schnell. 1924 lädt ihn der „King of Jazz“ Paul Whiteman ein, bei einem Crossover-Konzert mit zu machen und für seine Band ein „ Experiment in modern Music “ zu schreiben. Die Pressekampagne läuft schon und so macht Gershwin sich unter enormem Zeitdruck an die Arbeit. Da er noch wenig Erfahrung mit Instrumentation hat, zieht Arrangeur Ferde Grofé vorübergehend bei ihm ein.

In der „Rhapsody in blue“ spiegelt sich der musikalische Schmelztiegel des modernen Amerika: man hört typische virtuose Klaviereffekte mit synkopierten Rhythmen und „Walking bass“, Ragtime Rhythmen und „Cuban Clave“ aber auch Einflüsse jüdischer Musik. Wie der Titel schon sagt, ist die Form frei; es gibt keine klassische Durcharbeitung der Themen, sondern viel (aufgeschriebene) Improvisation, reichlich Rubato und flexibles Tempo, was die Aufgabe für Pianist und Musiker nicht einfach macht. Die Harmonik ist traditionell, es gibt aber wie im Jazz unaufgelöste Septakkorde und unvorbereitete Rückungen der Tonalität. Und natürlich die Jazz-typischen „Blue notes“, die die klassischen Tonstufen ein bisschen aufweichen und damit den „Blues“ erzeugen. Bei der Aufführung spielt Gershwin das Klavier natürlich selbst. Anwesend sind auch zahlreiche Klassik-Stars, u.a. Strawinsky, Rachmaninow, Stokowski, Jascha Heifetz und Fritz Kreisler. Es ist das vorletzte Stück von 26, die Klimaanlage ist ausgefallen und das Publikum schon sehr unruhig. Beim berühmten Klarinettenglissando werden alle sofort wieder wach und reagieren begeistert. Die Rhapsody ist bis heute eines seiner populärsten Werke geblieben. Wir spielen heute eine Fassung für großes Sinfonieorchester.

Gershwin selbst aber wurmte seine zu geringe Beherrschung der klassischen Form. Er war nicht nur ein überragender Improvisator, sondern auch privat ein exzellenter Blattspieler von klassischen Stücken. Er ging häufig in klassische Konzerte, spielte Bachs Klavier-Toccaten und gerne vierhändige Arrangements von Bachs Orgelmusik, Mozarts und Schuberts Streichquintetten. Von Alban Bergs Klaviersonate war er so begeistert, dass er den Komponisten 1928 in Berlin besuchte und jede erreichbare Aufführung des „Wozzeck“ ansah. Gershwin Unterricht zu geben, lehnte Berg allerdings ab, so wie auch alle anderen klassischen Komponisten, die er gefragt hatte. Ravel meinte „Warum wollen Sie ein zweitklassiger Ravel werden, wo sie doch ein erstklassiger Gershwin sind?“ Strawinsky fragte zurück: „Was verdienen Sie? ... Da sollte doch wohl eher ich bei Ihnen Unterricht nehmen!“ So blieb Gershwin authentisch und half die Grenzen zwischen „ernster“ und „nur unterhaltender“ Musik endgültig einzureißen.

Das Musical „Funny Face“ schrieb Gershwin 1927 für Fred Astaire und seine Schwester Adele, deren Spitzname den Titel inspirierte. In der Ouvertüre könnten Sie vertraute Melodien entdecken. Vielleicht kennen Sie aber auch den Film mit Audrey Hepburn von 1957 der allerdings eine ganz andere Geschichte erzählt.

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