Rundschau

Rhein-Erft-Rundschau - 21.11.2017 - Dietmar Fratz

Reformation mit Pauken und Trompeten

Christus-König-Chor und Sinfoniker boten klangstarkes Mendelssohn-Programm

Gudrun Bonnemann ließ in der Orgelsonate Nr. 6 in d-Moll die Trompetenregister der Orgel in der Christus-König-Kirche machtvoll erklingen. Die Kirchenchöre aus Horrem, Sindorf, Götzenkirchen und der Musik- und Malschule Heinen sowie das Sinfonieorchester Bergheim setzen mit markigen Klängen beherzt nach. Im 50. Kirchenkonzert standen Felix Mendelssohn Bartholdy und die Reformation auf dem Programm.

Um Luthers Choral "Vater unser im Himmelreich" kreist die Orgelsonate. Schlichten Chorälen mischte Bonnemann in den Variationen eine näselnd erzählende Vox Humana bei. Wirbelnde Ornamente steigerte die ehemalige Sindorfer Kantorin zu geballter Kraft des vollen Werks, um mit einer stillen Pastorale die dynamischen Kreis zu schließen.

Eine "Vox humana" (menschliche Stimme) hat auch Meldelssohn in der Reformationssinfonie (Nr. 5) einkomponiert: Eine einsame Flöte stellt innig den verarbeiteten Choral vor. Die Sinfoniker, erstmals unter dem neuen Dirigenten Andreas Hilner zu hören, ließen nach anmutigem Auftakt mit Flöten und tiefen Streichern die Reformation anschwellen bis hin zu erweckenden Fanfaren, die Luthers "feste Burg" trotzig in die romantische Landschaft setzen. Auf barockes Fundament mit den farbenfrohen Bausteinen der Klassik setzt Mendelssohn elegante romantische Zinnen. Hilner ließ seine rund 50 Musiker schwelgen, legte den Mitelsatz betont ruhig, aber mit breitem Lazutstärkepegel an. Der zweite Satz verriet in seiner musikalischen Ausprägung die unbändige Spielfreude der vorwiegend Laienmusiker. Leicht federte der Dreiertakt auf der süffig betonten schweren Taktzeit.

Ein katholisches Werk des evangelischen Komponisten mit jüdischen Wurzeln hatte die Chorgemeinschaft unter Leitung des Horremer Kirchenmusikers Norbert Trierweiler vorbereitet (Einstudierung Musikschulchor: Annabel Heinen). "Lauda Sion" (Text: Thomas von Aquin) ist der Hymnus zum Fronleichnamsfest, bei dem das Brot im Mittelpunkt steht. Die unterschiedliche Bewertungs des Brots steht seit Luther im Zentrum der Spaltung der christlichen Kirchen.

Der Chor hatte im ersten Satz Mühe, gegen das fulminant aufspielende Orchester zum Publikum in der voll besetzten Kirche durchzudingen. Allein drei Kontrabässe, sieben Celli, drei Posaunen und zwei Fagotte bildeten die formidable Tiefentonabteilung. Alle Chorsparten erwiesen sich als stabil und fanden durchweg homogen zusammen. Häufig gelangen elegant geführte Soloeinsätze und Fugenköpfe. Nach dem Eingangssatz wusste das von Trierweiler umsichtig geleitet Orchester sich zurücknehmen. Selbst im ruhigen siebten Satz dirigierte er breit, um den Orchestergruppen zum Sopransolo sicheren Halt zu bieten. Eie elegante und dennoch klangvolle Partie steuerte Sopranistin Ursula Thies in zwei Solosätzen bei. Auch im Quartett war sie tonangebend gegen die gut harmonierenden Stimmen von Horst Schäfer (Tenor) und Lucas Singer (Bass). Mit gewohntem Engagement und großem Ton gestaltete Daniela Bosenius ihre Altpartie.

Ein großer Schlussapplaus war die gebührende Reaktion des Publikums, das sich danach auf eine Zugabe harrend wieder setzte. Um verdutzt zu beobachten, wie Musiker und Sänger den zur Bühne umgebauten Altarraum räumten.

Nächster Probentermin

    02 Jun 2018

    Probe 15:00 - 18:00

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