Josef Weitensteiner

Zum Gedenken an Josef Weitensteiner

anlässlich seines 20. Todestages am 19. Oktober 2006

Josef Weitensteiner war der Gründer und Leiter des Jungen Sinfonieorchesters Bergheim e.V. Er starb am 19. Oktober 1986 im Alter von 62 Jahren.

Der am 25. Januar 1924 in Wackersdorf (Bayern) geborene Josef Weitensteiner, der nur mit "Sepp" gerufen wurde, zog als Dreijähriger mit seinen Eltern ins Rheinland. Als Jugendlicher erlernte er zunächst das Handwerk des Maschinenschlosser. Nach Abschluss der Lehre wurde er als achtzehnjähriger im Jahre 1942 zum Kriegsdienst eingezogen. Sein Interesse an der Musik war schon früh ausgeprägt: Bereits als Dreijähriger spielte er bei Veranstaltungen des Köttinger Bayernvereins auf der Zieharmonika, mit zehn Jahren erhielt er den ersten Geigenunterricht. Während seines letzten Lehrjahres erhielt er am Engelbert-Haas-Konservatorium in Köln neben der Geigenausbildung auch Unterricht an der Klarinette und am Klavier sowie in Musiktheorie. Nach dem Kriegsdienst widmete er sich mehr dem Violinspiel und kehrte nicht in den erlernten Beruf zurück. Während seiner weiteren Violinausbildung in Köln gründete er Mitte der Vierziger Jahre ein Streichquartett, das später unter dem Namen Weitensteiner-Quartett auftrat. In den Fünfzigern trat er im heutigen Rhein-Erft-Kreis als Solist auf und war jahrelang Konzertmeister des Bergheimer Kammerorchesters.

In dieser Zeit betätigte sich Josef Weitensteiner auch als Bildhauer. Er schuf bis 1966 eine Reihe von über sechzig Werken, vorwiegend Vollplastiken und Reliefs mit religiösem und weltlichem Inhalt.

Trotz seiner Anerkennung als Bildhauer fasste Weitensteiner 1968 einen Entschluss, durch den die Musik in den Vordergrund seines Lebens trat. Seine bis dahin privat erteilten Geigenstunden waren Ausgangspunkt für Gruppenunterricht in Violine und Viola am Erft-Gymnasium in Bergheim und am Brühler St. Ursula-Gymnasium. Als Geigenlehrer trat er 1968 der Jugendmusikschule Bergheim bei. Im gleichen Jahr gründete er einen "Spielkreis für Streichinstrumente", auch "Spielkreis Weitensteiner" genannt, aus dem sich das Jugendsinfonieorchester der Jugendmusikschule Bergheim entwickelte. 1982 machte es sich als Jugendsinfonieorchester Bergheim e.V. selbständig und hat letztendlich in das heutige "Junge Sinfonieorchester Bergheim e.V." umfirmiert. 1978 kam noch eine Orchesterschule für den Nachwuchs hinzu, den Weitensteiner aus seinen Schülern rekrutierte, die er in den meisten Fällen daheim unterrichtete.

Zu den damaligen Freitags- und Samstagsproben sowie zahlreichen kleinen "Arbeitsgemeinschaften" hat er seine Schülerinnen und Schüler eingesammelt und mitgenommen. Eine ehemalige Schülerin erinnert sich:

"Josef Weitensteiner war Musiker durch und durch. Er lebte für die Musik und mit ihm wurden Erinnerungen an die großen Komponisten wach. Samstags war regelmäßig Orchesterprobe in Bergheim. Wer keine Möglichkeit hatte, von den Eltern gebracht zu werden, den sammelte Weitensteiner persönlich ein. Mit seinem VW-Käfer ging es dann durch Erftstadt und das Bergheimer Umland. Auf der Rückbank und im Ablagebereich saßen bis zu sieben kleine Geiger und Geigerinnen mit ihren Instrumentenkoffern. Vorne war Platz für ein Cello samt Spieler und bei Konzertaufführungen musste sogar noch ein Kontrabass aufs Dach. Während der Fahrt gab der Orchesterchef dann so reichlich Tipps und Anleitungen, dass schon mal ein Verkehrzeichen übersehen wurde.

Aber der 'Musik-Käfer' kam immer heil an. Überhaupt lagen Weitensteiner seine Schülerinnen und Schüler sehr am Herzen und er bemühte sich, selbst die Kleinsten für die klassische Musik zu begeistern. Wer keine Noten lesen konnte, spielte nach Farben. Das ging so: Weitensteiner malte die Noten farbig auf das Papier und befestigte parallel dazu farbige Bänder am Griffbrett: Auf diese Weise erlernte selbst ich – damals mit 6 Jahren seine jüngste Schülerin -, perfekt Geige zu spielen."

Unter Weitensteiners Leitung führte das JSO zahlreiche Sinfonie-, Kammer- und Kirchenkonzerte auf. Hinzu kamen zahlreiche Begleitungen von Messen Umrahmungen von Jubiläen, Festen und Ausstellungseröffnungen. Daneben wurden Orchesterfreizeiten in Blankenheim, Dattenberg und Königswinter abgehalten. Seine Aufführungsstatistik bis Ende 1986:

48 Sinfonie-Konzerte
20 Konzerte des Kammerorchesters
31 Kirchen-Konzerte
10 Konzerte mit weltlichen Chören
7 Konzerte mit Kammermusik
6 Konzerte der Orchesterschule
13 Singspiele und Singopern
92 Messe-Begleitungen
54 Umrahmungen, JSO-Aktivitäten
8 Vorspielnachmittage
33 Orchester-, Probenwochenenden
5 Auslandsfahrten
1 Orchester zu Gast beim JSO
2 Referate Jugendarbeit im Orchester

Für seinen Einsatz insbesondere für die Jugend wurde Weitensteiner 1982 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Anlässlich seines 60. Geburtstages richtete das JSO zu seinen Ehren eine Feier aus. Er bedankte sich beim Orchester mit folgenden Zeilen:

Ist es mir vergönnt,
mein Spiel zu Ende zu spielen?
Wer schon,
kann im Rausche des Erlebens das Schlusszeichen glücklich nennen?
Wer schon,
kann die gesteckten bunten Lichter zum Feste wieder löschen?
Manch einer,
spielt im gleißenden Licht des Triumphes das Finale –
wieder andere,
stehen schon am Anfang befangen und verlassen die grausame Bühne.
Ist es mir vergönnt,
den großen Bogen der Sonne nachzuzeichnen?
Wer schon,
kann den Abend mit seinem milden verblassenden Rot durchschreiten?
Wer schon,
kann gelassen immer weiter gehen und langsam versinken in der Nacht?
Manch einer,
sieht in der grellen Mittagssonne den Todesengel schweben kommen –
wieder andere,
sehen mit großen Augen sterbend nur den Morgen mit seinem glitzernden Tau.

 Josef Weitensteiner

25. Januar 1984

Am 19. Oktober 1986 starb Josef Weitensteiner unerwartet. Das JSO veranstaltete das letzte Konzert, dessen Proben er noch selbst begonnen hatte, als Gedächtniskonzert in der Horremer Christus-König-Kirche. In einem Nachruf in den regionalen Tageszeitungen würdigte das Orchester seinem Gründer und Dirigenten in bewegender Weise:

 Todesanzeige Josef Weitensteiner

(in)
(in Anlehnung an: Der Erftstädter Musiker und Bildhauer Josef ("Sepp") Weitensteiner (1924 – 1986) von Georg Feder, in: Jahrbuch 2006 der Stadt Erftstadt)

Nächster Probentermin

    12 Nov 2017

    Probentag 12:00 - 18:00

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